10 Jahre ExpertInnenkonferenz

Die digitale Welt ändert sich doch unser flexibles Workshop Konzept bleibt erfolgreich

Am 19.12.2007, kurz vor den Weihnachtsferien, trafen sich 25 Schülerinnen und Schüler, um sich erstmals an der Schule mit dem Thema aktuelle Mediennutzung auseinanderzusetzen. Treffpunkt war ein Webpoint, damals ein Ort an ausgewählten Bremer Schulen, an dem ca. 15 PCs mit einem Internetanschluss standen. Nachtmittags war dieser Raum öffentlich, so dass Bürgerinnen und Bürger kostenlos ins WorldWideWeb gehen konnten. Ein Angebot, das der digitalen Spaltung der Gesellschaft präventiv begegnen sollte.

Zur zeitlichen Einordnung: SchülerVZ war gerade ein halbes Jahr alt ─ YouTube gab es seit zweieinhalb Jahren. Das 1. iPhone war seit nicht mal zwei Monaten in Deutschland erhältlich. Die Onlinekommunikation lief über ICQ und MSN und wurde von einem allseits bekannten Geräusch („Uh-Oh“) untermalt.

Im Webpoint trafen sich nun die Schüler*innen zu einem Workshop mit dem Medienpädagogen Markus Gerstmann. Nach der Begrüßung schrieben die Schüler*innen zunächst verschiedene Anwendungen auf, die sie gerade nutzten oder interessant fanden ─ das waren: SchülerVZ, Google, YouTube, Ebay, Wikipedia und PC-Spiele.

Die Idee der ExpertInnenkonferenz war und ist, dass die Schüler*innen zu Expert*innen erklärt werden. Denn auf die Frage von wem sie die Mediennutzung gelernt haben, antworten sie: Wir haben uns das selbst beigebracht bzw. von Gleichaltrigen gelernt; weder Eltern noch Schule haben uns dabei unterstützt. Wer sich selbst Wissen und Kompetenzen mit den neusten digitalen Medien beibringt, ist Experte bzw. Expertin und kann das eigene Handeln erklären. Die Schüler*innen bekommen im Rahmen des Workshops Zeit einen Vortrag zu einer selbstgewählten Anwendung und deren kompetenter Nutzung vorzubereiten. Sie recherchieren mit digitalen Endgeräten, diskutieren in ihrer Kleingruppe, visualisieren ihre Ergebnisse und stellen diese ihrer Klasse vor.

Bis heute hat sich der Ablauf nur minimal verändert. Aktuell kommen zunehmend die persönlichen Smartphones im Rahmen der Recherche zum Einsatz; statt der klassischen Plakatvisualisierung werden hin und wieder Präsentationen oder kleine selbstproduzierte Filme verwendet. Die präsentierten Anwendungen und Themen variieren von Workshop zu Workshop, am beliebtesten sind derzeit Instagram, YouTube(r(innen)), WhatsApp, Games, Snapchat und Musical.ly.

Das Workshopformat setzt methodisch an der Aktivierung, der Auseinandersetzung, der Argumentation und Artikulation, der Reflektion der Nutzung und Präsentation der Ergebnisse an. Dabei werden in jeder Arbeitsgruppe auch Konfliktpunkte der Mediennutzung (Cybermobbing, Zeitmanagement, Selbstregulierung, Privatsphäre, Datenschutz, Jugendschutz, Kostenschutz) altersgerecht und niedrigschwellig thematisiert. Die ExpertInnenkonferenz verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger oder auf Antworten zur „richtigen“ Mediennutzung in Schule, Familie und Freizeit, sondern öffnet Räume des Lernens und der Auseinandersetzung. Grundlegend ist unsere akzeptierende Haltung Kinder und Jugendliche als Mediennutzer*innen ernst zu nehmen und sie in ihrer Eigenverantwortung und Handlungskompetenz zu stärken. Ziel ist es, einen Anstoß zur Reflexion der eigenen Mediennutzung zu geben bzw. das Bewusstsein dafür zu schärfen, in welcher Form Dinge ins Internet gestellt werden sollten.

Jedes Jahr führen wir ca. 20-40 ExpertInnenkonferenzen durch und können auf hunderte ExpertInnenkonferenzen mit tausenden Schüler*innen zurückblicken. Parallel führten wir viele Gespräche mit Lehrkräften und diskutierten die Rolle von Schule in Bezug auf die jugendliche Mediennutzung. Die Lehrkräfte nehmen an den Projekttagen selbst teil und erleben ihre Klassen als aktiv, engagiert  und motiviert. Ähnlich geht es den Schüler*innen, die sich selbst als aktiv, kompetent und wissend wahrnehmen.

In den 10 Jahren führten wir die ExpertInnenkonferenz in unterschiedlichen Schulformen ab 5. Jg. Durch ─ egal ob in Bremen, Luzern oder Den Haag, in Großstädten oder auf dem Land.


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Kontaktieren Sie uns:

Sebastian Reuser und Markus Gerstmann

medien@jugendinfo.de oder 0421 – 330089 -15/17